Kultur- und Heimatfreunde Neusalza-Spremberg e.V.

Zur Geschichte- Neusalza - von Walter Heinrich

Beiträge zur Geschichte von Neusalza von Walter Heinich 

„Eine Erbregulierung i. J. 1735. 

Es war damals nicht einfach, die nötigen Küchenelemente Wasser und Feuer herbeizuschaffen 
und zu beherrschen. Mit der Kohlenschaufel hat man nicht etwa Braun- der Steinkohlen geschaufelt, sondern Holzkohle. Auch der Blasebalg diente dem Holzfeuer, über dem man am Bratspieß den Braten drehte!  

Das Brotbacken gehörte auch zur Arbeit der Hausfrau, darum sind auch die notwendigen Gerätschaften vorhanden: Eine Backtöße, elf Brotkörbchen (Backschüsseln), eine Mulde, eine Kuchen-Schoße, ein Maßviertel, zwei Siebe. Zum Holzzerkleinern waren eine Handsäge, zwei alte Sägeblätter, eine Axt und ein kleines Beilchen vorhanden. An Holzvorräten drei Klafter Buche und drei Klafter weiches Holz und etwas ,Felgen-Späne‘ (wohl Abfall vom Stellmacher?). Ferner zehn Stück alte Schwarten und vier neue Stücken Bretter. Welche Bedeutung der Flachs und seine Zubereitung für unsere Voreltern hatte, ist aus dem vorhandenen Handwerkszeug zu ersehen: Eine Breche, eine Hechelbank, ein Unterteil und ein Ueberröckel (Rocken?) zum Spinnen. An Speisevorräten sind verzeichnet: Zwei geräucherte Schinken, zwölf Schrötel abgedörrtes Schweinefleisch, etwas Speck, so in drei Bischen besteht, eine Metze Erbsen, ein Viertel Kleie. 

Hier ist der Gegensatz zwischen ,geräuchert‘ und ,gedörrt‘ bei den Fleischwaren beachtlich, um so mehr, als das Verzeichnis am 17. Juni aufgestellt ist. Das gedörrte Schweinefleisch kann auch kein Speck gewesen sein, denn dieser ist besonders aufgeführt. Heute wird bei uns 
jedenfalls kein Fleisch mehr gedörrt, wenn man auch in anderen, vor allem heißeren Ländern, diese Dauerzubereitung noch angewendet. 

Erbsen waren ehemals, wie auch Hirse, Linsen und Bohnen, viel mehr Volksnahrung als heute. Ihr unsicherer Ertrag hat vielleicht mehr Anteil an den Schwankungen der früheren Getreidepreise gehabt, als wir gewöhnlich vermuten. Dass keine Kartoffeln vorhanden sind, könnte an der Jahreszeit gelegen haben – sie waren aufgegessen. Feldmäßig hat man diese Frucht damals in unserer Gegend noch nicht angebaut, wenn sie auch bekannt und geschätzt war. Man baute sie im Garten schon seit einiger Zeit, aber ein allgemeines Nahrungsmittel waren sie noch lange nicht. 
Es bleibt nun nur noch wenig aufzuzählen: Eine große, eine kleine Leiter, eine dreizinkige Gabel (Mistgabel?), zwei Rechen, davon einer mit eisernen Zinken (!), ein Strohsack, fünf alte Säcke, eine alte Heringstonne, etwas alt Eisen in einem Kästchen, ein alter Bohrer, ein Fleischklotz, ein Schubkarren mit Halskoppel und eine ,Karbatzsche‘. Ist auch die ganze 
Aufstellung nicht sehr groß, so sehen wir doch, daß man damals im Haushalt viele Werkzeuge nötig hatte, derer wir heute nicht mehr bedürfen.“ 
(Teil 2 von 2) 
Günter Hensel (IGO) 
Aus dem Archiv von Horst Wagner